Das Glaukom

Ein Glaukom gehört zu der Gruppe von Augenkrankheiten, die in späten Stadien die Nervenzellen der Netzhaut (Retina) und des Sehnerven schädigen können. Die Folge sind Gesichtsfeldausfälle, die typische Form des Sehverlustes bei Glaukom.

Wenn Glaukome nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden, können sie zu einer langsam fortschreitenden Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung führen. Eine glaukomatöse Erkrankung verläuft meist unerkannt über viele Jahre und verschiedene Stadien hinweg. Erst in späteren Stadien stellen sich erhebliche Beeinträchtigungen des Sehvermögens im Sichtbereich ein. Mit einer konsequenten Therapie kann der weitere Verfall des Gesichtsfeldes aufgehalten werden.

Grüner Star (Glaukom)

Unter einem Glaukom, im Volksmund auch Grüner Star genannt, versteht man eine Augenkrankheit, die zu einer Zerstörung des Sehnervens und damit zur Erblindung führen kann.

Die Erkrankung an einem Glaukom verläuft über viele Jahre hinweg unerkannt, der Betroffene merkt lange gar nichts. Das Glaukom ist in der Regel schmerzlos. Ab dem 40. Lebensjahr wird deshalb eine regelmäßige Glaukom-Früherkennung empfohlen.

Risikofaktoren:

  • Veranlagung: in der Familie gibt es bereits Glaukomfälle
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • starke Kurzsichtigkeit
  • Herz- und Kreislauferkrankungen

Ursachen:

Ein Glaukom entsteht durch einen erhöhten Augeninnendruck. Dieser Druck wird in mmHg gemessen und beträgt im Normalfall 15-21 mmHG. Im Gewebe außerhalb des Auges liegt der Druck bei ca. 5 mmHg. Durch den Augeninnendruck und die Lederhaut wird das Auge in seiner Form gehalten.

Das Auge hat zwei Augenkammern, eine vordere zwischen Hornhaut und Iris und eine hintere von der Hinterseite der Iris bis zur Linse. Das Kammerwasser wird in der hinteren Augenkammer gebildet. Es läuft dann zwischen der Linse und der Regenbogenhaut durch die Pupille in die vordere Augenkammer, zirkuliert entlang der Hornhaut und läuft über kleine Kanäle (Schlemmsche Kanäle), die im Winkel der vorderen Augenkammer liegen, wieder aus dem Auge. Das Kammerwasser wird laufend neu gebildet und versorgt die Hornhaut und die Linse mit Nährstoffen. Kann das Kammerwasser durch die Schlemmschen Kanäle nicht mehr in die Blutbahn abfließen, kommt es zum Rückstau und zur Erhöhung des Augeninnendruckes.

Durch den erhöhten Innendruck wird der Sehnerv auf Dauer geschädigt. Bei unzureichender Therapie kommt es dann zu Gesichtsfeldausfällen und im schlimmsten Fall zur Erblindung.

Formen des Glaukoms:

  • primäres Offenwinkelglaukom
  • primäres Winkelblock- oder Engwinkelglaukom (= akutes Glaukom / Glaukomanfall)
  • primäres angeborenes Glaukom (kindliches Glaukom)
  • sekundäres (erworbenes) Glaukom

Sekundäre Glaukome

Auch bei den sekundären Glaukomen ist die Behinderung des Kammerwasserabflusses Ursache der Steigerung des Augeninnendrucks.

Formen sekundärer Glaukome:

Neovaskularisationsglaukom (häufig)

Ursache sind hier Gefäßneubildungen im Auge z.B. bei einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Diese behindern den Kammerwasserabfluss. Die Prognose ist schlecht.

Pseudoexfoliationsglaukom (häufig)

Bei dieser sekundären Glaukomform kommt es zu einer Ablagerung von feinfibrillärem (sog. Pseudoexfoliations-) Material, das vor allem vom Ziliarepithel gebildet wird, auf das Trabekelwerk, vorderer Linsenkapsel, Iris und vorderem Glaskörper. Verlauf und Therapie sind wie beim primären Offenwinkelglaukom.

Pigmentdispersionsglaukom

Pigment wird aus der Irisrückfläche freigesetzt, weil diese auf den Zonulafasern reibt. Die freigesetzten Pigmentgranula führen zu einer Verstopfung des Trabekelwerks.

Therapie: Einstellung der Pupille und Iridektomie. Senkung des Augeninnendrucks wie beim primären Offenwinkelglaukom.

Kortisonsglaukom
Bei 5 bis 10 Prozent aller Menschen führt eine längere Behandlung mit kortisonhaltigen Augentropfen oder anderen kortisonhaltigen Medikamenten zum so genannten Kortisonglaukom. Es kommt zu Ablagerungen im Trabekelwerk. Die Kortisonbehandlung muss abgebrochen werden um den Augeninnendruck zu regulieren. Kommt es zu keiner spontanen Herabsetzung des Innendruckes wird wie beim primären Offenwinkelglaukom behandelt.

Weitere Ursachen für sekundäre Glaukome:

  • Verletzungen
  • Entzündungen
  • Linsenveränderungen

Primäres angeborenes Glaukom

Das primäre angeborene Glaukom (kongenitales Glaukom) kommt selten (1:10.000 - 18.000 Geburten) vor. Es tritt meist im ersten Lebensjahr auf, kann aber auch schon bei der Geburt vorhanden sein. Ursache ist eine Entwicklungsstörung des Kammerwinkels. Dabei blockiert persistierendes embryonales Gewebe im Kammerwinkel den Abfluss des Kammerwassers.

Neugeborene mit einem Glaukom fallen durch große "schöne" Augen auf. Durch den erhöhten Augeninnendruck kommt es zu einer Vergrößerung der Hornhaut mit einer Hornhauttrübung und einer Vergrößerung des Augapfels (sog. Ochsenauge).

Symptome:

  • ungewöhnlich große Augen
  • Lichtscheuheit
  • vermehrtes Augentränen (Differentialdiagnose: angeborene Tränenwegstenose)

Therapie:

Das kongenitale Glaukom ist eine absolute Operationsindikation:

  • bei klarer Hornhaut: Goniotomie, d.h. das im Kammerwinkel liegende Gewebe wird von innen eingeschnitten, so dass das Kammerwasser über den Schlemmschen Kanal abfließen kann.

 

  • bei trüber Hornhaut: eine Sonde wird von außen in den Schlemmschen Kanal eingeführt. Durch Schwenken der Sonde wird das Gewebe zwischen Kanal und Vorderkammer zerrissen.

Regelmäßige Kontrollen sind notwendig. Die Prognose ist gut.

Akutes Winkelblockglaukom (Glaukomanfall)

Der akute Glaukomanfall ist ein Notfall, der unbehandelt innerhalb von 1-2 Wochen zur Erblindung führen kann. Durch die Verlegung des Kammerwinkels durch die Irisbasis kommt es zu einem akuten, meist einseitigen massiven Anstieg des Augeninnendruckes auf Werte von ca. 50 mmHg.

Ursache:

Pupillarblock (meistens): Hier liegt die Rückfläche der Iris der Vorderfläche der Linse direkt auf und blockiert damit den Fluss des Kammerwassers durch die Pupille. das Kammerwasser staut sich hinter der Iris, sie wird nach vorne gedrückt und verengt den Kammerwinkel.

Symptome:

  • starke Augen- und Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • plötzliche Sehverschlechterung
  • Rötung des Auges
  • Verhärtung des Augapfels

Therapie:

Die Behandlung des akuten Winkelblockglaukoms erfolgt zunächst mit drucksenkenden Medikamenten. Sobald die Hornhaut wieder klar ist, wird eine Laseriridotomie durchgeführt um den Winkelblock zu beheben.

Bei adäquater Therapie kann meistens das volle Sehvermögen wieder hergestellt werden.

Primäres Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom (Glaucoma chronicum simplex) verläuft lange asymptomatisch und schmerzlos. Bis zu 0,5 Prozent der Bevölkerung über dem 40. Lebensjahr sind davon betroffen. Über 55 Prozent der Glaukompatienten leiden an dieser Art Glaukom. Es stellt damit eine der häufigsten Erblindungsursachen dar.

Das primäre Offenwinkelglaukom entsteht durch eine Abflussbehinderung des Kammerwassers direkt im Abflussbereich. Dies führt zu einer Drucksteigerung im Auge. Der Sehnervenkopf wird nicht ausreichend durchblutet.

Risikofaktoren:

  • gehäuftes Auftreten in der Familie (Verwandte 1. Grades)
  • höheres Alter
  • schwere Herz- und Kreislauferkrankungen
  • starke Kurzsichtigkeit
  • niedriger Blutdruck
  • schwarze Hautfarbe

Symptome:

Das Offenwinkelglaukom beginnt unbemerkt, die Patienten haben über Jahre hinweg keine Beschwerden. Es kommt zu zunehmenden Ausfällen des Gesichtsfeldes, die aber erst bemerkt werden, wenn auch das zentrale Sehen betroffen ist.

Der Augeninnendruck liegt über 21 mmHg. Es können durch ein so genanntes Epithelödem (Wassereinlagerungen in der äußersten Schicht der Hornhaut) farbige Ringe oder Höfe um Lichtquellen auftreten.

Diagnose:

Um ein Offenwinkelglaukom sicher zu diagnostizieren, muss in jedem Fall der Augeninnendruck, das Gesichtsfeld und die Sehnervenpapille untersucht werden. Ist der Befund auch nach Erstellung eines Tagesprofils nicht eindeutig, spricht man von einem Glaukomverdacht. Manchmal sind langjährige regelmäßige augenärztliche Kontrollen und die Dokumentation aller Befunde nötig, um ein Glaukom eindeutig zu diagnostizieren.

Ziel der Therapie:

Beim Offenwinkelglaukom versucht man mit Medikamenten den Augeninnendruck zu senken.

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