Behandlungsmethoden des Auges
Auf den folgenden Seiten finden Sie berichte zu besonderen Behandlungsmethoden in der Augenheilkunde. Dazu gehört beispielsweise die Multifokallinse zur Korrektur der Alterssichtigkeit oder auch die Avastingabe bei feuchter altersbedingter Makuladegeneration (AMD).
Korrektur der Alterssichtigkeit mit Multifokallinse
Mit zunehmendem Alter, meist ab dem 40. Lebensjahr, nimmt die Elastizität der Augenlinse ab. Die Fähigkeit des Auges, sich an Entfernungen anzupassen, ist dann eingeschränkt. Der Nahpunkt der Linse rückt immer weiter hinaus, so muss man zum Lesen ein Buch sehr weit von den Augen weg halten (der Arm muss "immer länger werden"). Diese sogenannte "Alterssichtigkeit" geht häufig auch mit einem beginnenden grauen Star einher. Der Graue Star bezeichnet die Eintrübung der Linse des Auges.
Der Ausgleich der Alterssichtigkeit geschieht durch Linsen mit +Dioptrien für Nahsicht. Doch normale Kunstlinsen können die Akkommodation nicht nachstellen, sie liefern scharfe Bilder in nur einem Entfernungsbereich, meist im Fernbereich. Die Multifokallinse ist ein modernes Linsenimplantat, das die Möglichkeit bietet, eine Unabhängigkeit von der Brille zu erreichen. Die Multifokallinse weist mehrere Brennpunkte auf, damit ermöglicht sie das Sehen in der Ferne und in der Nähe. Damit werden ?alle Fehlsichtigkeiten? gleichzeitig korrigiert. Allerdings muss durch die Verteilung des Lichtes auf mehrere Brennpunkte mit einem gewissen Kontrastverlust gerechnet werden.
Bei der ambulant durchgeführten Operation wird zunächst die körpereigene Linse entfernt. Ein millimeterfeiner 2.5-3.0 mm Schnitt am Auge ermöglicht die Öffnung der Linsenkapsel. Im Anschluss wird der harte Linsenkern mittels Ultraschall zertrümmert und zusammen mit der weicheren Linsenrinde abgesaugt. Dieser Vorgang nennt sich Phakoemulsifikation. In den leeren Kapselsack wird dann eine kleine gefaltete Kunstlinse eingeschoben. Sie entfaltet sich im Augeninnern und wird mit Hilfe von kleinen, elastischen Bügeln verankert.
Lucentis® und Avastin® bei feuchter altersbedingter Makuladegeneration (AMD)
Avastin® (Bevacizumab) und Lucentis® (Ranibizumab), sind monoklonale Antikörper aus der Gruppe der Immunglobuline (IgG1). Sie wirken hemmend auf vaskuläre endotheliale Wachstums-Faktoren (VEGF). Avastin® und Lucentis® wurden ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt, da auch bösartige Tumore solche Wachstumsfaktoren bilden.
Experimentell wird Avastin® bei der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) und bei Patienten mit einem Makulaödem an diversen größeren Zentren eingesetzt. Die feuchte Form der Makuladegeneration ist in Deutschland die häufigste Erblindungsursache im Alter. Der Verlauf ist rapide. Ursache sind Gefäßneubildungen der Aderhaut, Pigmentepithelablagerungen oder Narbenbildungen im Bereich der Makula. Durch Einblutungen aus den Gefäßneubildungen entsteht dabei ein Ödem auf der Netzhaut. Avastin® wird zur Hemmung der Gefäßneubildung direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt. Es kommt isoliert nur im Auge zur Inaktivierung und Rückbildung von Gefäßneubildungen. Beim Makulaödem wirkt die Gefäßabdichtende Wirkung von Avastin®. Der Vorgang muss mehrfach wiederholt werden, jeweils im Abstand von 1-2 Monaten.
Avastin® ist in Deutschland als Medikament der ersten Wahl zur Behandlung von Krebserkrankungen des Dick-und Enddarmes zugelassen, nicht aber für die augenärztliche Indikation. Es wird wegen seiner Wirksamkeit bei AMD trotzdem angewandt (so genannte off-label Anwendung). Voraussetzung ist die Zustimmung des Patienten zur Behandlung und eine ausführliche Aufklärung über deren Risiken.
Für die augenärztliche Indikation zugelassen seit Januar 2007 ist Lucentis® (Ranibizumab), eine mit dem Bevacizumab verwandte Substanz. Ergebnis der Behandlung mit Ranibizumab ist nachweislich nicht nur eine Stabilisierung, sondern sogar eine deutliche Verbesserung der Sehfähigkeit. Allerdings ist die Behandlung mit diesem Medikament sehr teuer und wird bisher noch nicht komplett von den Krankenkassen übernommen. Dem Patienten wird zunächst Lucentis® empfohlen, weil es für die augenärztliche Indikation zugelassen ist.
Übernehmen die Krankenkassen die Kosten, wird die Behandlung mit Lucentis® vorgenommen. Ansonsten weichen die Augenärzte auf das wesentlich billigere Avastin® aus. Allerdings werden auch hier nicht von allen Krankenkassen die Kosten vollständig übernommen.
